Ekstatische Kurven

Schreker: Die Gezeichneten Köln / Palladium

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Im zweiten Jahr des Ersten Weltkriegs, 1915, beendete der Wiener Akademielehrer Franz Schreker seine Oper «Die Gezeichneten». Was er hinter der Maske der italienischen Renaissance, im alten Genua, an Personal vorführte, waren die Protagonisten seiner eigenen habsburgischen Umwelt, in der sich Biederkeit und Ausschweifung, zackige Männlichkeit und Psychoanalyse herbe Kontraste lieferten.

Der reiche Krüppel Alviano Salvago kompensiert seinen Selbsthass und seine Sehnsucht nach einem Reich der Schönheit und Stärke, indem er die Liebesinsel «Elysium» errichtet: ein Eiland, das die skrupellosen Genueser Adligen freilich missbrauchen, um die Töchter der Stadt zu verführen und zu schänden. Hellsichtig kommentierte Schreker damit nicht nur den Schönheitskult des Jugendstils, sondern dachte auch schon den Rassewahn der faschistischen Herrenmenschen voraus, die sich dafür später revanchierten und den Komponisten 1932 aus seinen Ämtern an der Berliner Musikhochschule drängten.

Für diese Dimension interessiert sich Patrick Kinmonth, der Regisseur und (zusammen mit Darko Petrovic) Ausstatter der Kölner Neuinszenierung, wenig. Er deutet die «Gezeichneten» als die privaten Nöte und Fantasien des ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen

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