Apropos... Extreme
Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich habe in dieser Produktion das Gefühl, dass alles, was ich jemals gelernt habe, nützlich war: für die Gestaltung der Sprache, für das Musiktheaterkunstwerk als Ganzes.
Der Text von Goetz ist genial, Jannik Giger, Leo Hofmann und der Regisseur Benjamin von Bebber haben sich so viel Gutes dafür ausgedacht – ein absoluter Glücksfall, dass ich da mitmachen konnte.
Muss gutes Musiktheater extrem sein?
«Extrem» ist kein Maßstab für Qualität. Ich persönlich finde ein Musiktheater gelungen, wenn die Musik sich in dem jeweiligen Werk nicht hermetisch mit sich selbst beschäftigt, sondern den Text «verdaut», ihn inhaltlich, formal, strukturell nutzt – ohne hinter ihm zu verschwinden oder ihn zu überkleistern. Musik, Wort und Szene sind in «Kolik» gleichermaßen präsent und toll getaktet – sie stiften gemeinsam Zusammenhänge, ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Hannah Schmidt
Ein Ruf lockt auf dem Umschlag des originellen Werkstattprotokolls: «O Melville!» (Müry Salzmann Verlag, 2016). Und zwischen den Buchdeckeln erlebt man Olga Neuwirth 2011/12 in New York, wie sie sich an ihrer Oper «The Outcast» abarbeitet. Olga im Overall alltäglich als Selfie («Everyday Olga»); dazu das adäquate Foto ihres Schreibtischs («Quiet at the desk») und...
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
Die Zeit ist aus den Fugen. Schreckliches werde geschehen, greint Herodes, wobei die Honigschicht der Jovialität, um die er sich ohnehin zumeist vergeblich müht, endgültig abtropft. Es geht um seine Stieftochter Salome, die verzogene Göre mit erotischem Appeal, die für erwiesene Gunstleistungen, Tanz et cetera, partout den Kopf des eingekerkerten Propheten fordert....
