Farbige Klangrede
«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine überaus schwierige Aufgabe. Seit 1994 stellten sich Regisseure und Bühnendesigner bei den Haydn Festspielen in Eisenstadt dieser Herausforderung mit wechselndem Erfolg.
Bei «L’anima del filosofo» (1791), der in diesem Jahr herausgebrachten letzten Produktion des Zyklus der Opern Joseph Haydns, fand Ausstatterin Alexia Redl für Michael Schilhans Inszenierung eine praktikable Lösung: einen transparenten, dank Frank Sobottas Licht-Design schwerelos wirkenden Würfel als Teatrum mundi. In diesem gerierten sich Schilhans szenische Etüden über dieses merkwürdige Stück mit dem ungelösten Rätsel des Titels (Wer ist die Seele? Wer der Philosoph?) als revuehafte Zeit- und Lebensreise – bis hin zum musikalisch seltsam offenen, geradezu nihilistischen, in leisem Entsetzen versickernden Schluss, nachdem der Künstler Orpheus von Mänaden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer...
Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern. Erst der ehemalige Colón-Intendant...
Noch heute sind die Burg von Turku in der Nähe des südlich gelegenen Hafens und der Dom am Nordrand des Zentrums Eckpfeiler einer Stadtbesichtigung. Zwei auf Schwedisch komponierte Opern (bis 1800 war Turku als Åbo die zweitgrößte schwedische Stadt!) spiegeln die Historie an diesen zentralen Orten: «Daniel Hjort» von Selim Palmgren spielt 1599 auf der Burg und...
