Don Giovanni bei den Corsinis
Das Tor geöffnet, die Allee flankiert von Abendpersonal, Zelten, Bars und fern sichtbar die Tribüne vor dem Palazzo: Der Festival-Besucher tritt in eine andere Welt. Und das in zweifacher Hinsicht. Der Giardino Corsini al Prato, stilechter italienischer Barock, befindet sich im Herzen von Florenz und entführt in ein Zauberreich aus Statuen, frisierten Hecken, versteckten Orangerien. Seine hohen Mauern halten die Touristen gewöhnlich draußen. Dank der Familie Corsini ist dies zu Festspieltagen anders; ein Ausnahmefall von Offenheit innerhalb des sonst so verschlossenen Florentiner Adels.
Die zweite Überraschung: So ziemlich alles ist hier very British, vom Gros des Publikums über die Kanäle der Künstlervermittlung bis hin zu den Machern des «New Generation Festival», das 2018 zum zweiten Mal stattfand; an vier Tagen gab es Oper, Konzert und Shakespeare mit Filmmusik.
Der Titel will Programm sein und jungen Künstlern ein Forum bieten. Er ist aber vor allem Selbstbeschreibung der Verantwortlichen – ein junges Team britischer Kulturproduzenten, Dirigenten, Theatermacher mit besten Verbindungen zu finanzstarken Sponsoren und zu Kreisen einer italophilen englischen upper class. Selten ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Richard Erkens
Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen...
Wie groß die Macht des Heiligen sei? Wir wissen es nicht. Dass sie aber in weiten Teilen der westlichen Welt als zumindest gebrochen erscheint, ist, wie es Hans Joas in seiner gleichlautenden Studie beschreibt, als Zeitdiagnose nicht allzu gewagt – die Wirklichkeit, wie auch immer sie angeschaut wird, lügt kaum. Aber, und das ist das Schöne: Man kann ihr...
Der Kollege gab sich ziemlich ernüchtert. Die alte Fassung besitze doch eine «eigenartige, wilde Schönheit», urteilte Hans Werner Henze. An der neuen beklagte er die «Rückkehr zur Tonalität», weshalb der Urversion von Paul Hindemiths «Marienleben» aus dem Jahre 1923 unbedingt der Vorzug zu geben sei. Auch als Signal: Die junge Tonschöpfer-Generation habe...
