Grell, fahl, opulent
Die Rolle passt ihr wie ein Handschuh, sagte Jonas Kaufmann kurz vor der Münchner «Manon Lescaut»-Premiere im November 2014, nachdem Anna Netrebko die Titelpartie geschmissen hatte und Kristine Opolais für sie eingesprungen war. Opolais und Kaufmann hatten das vom Abbé Prévost literarisch und von Puccini musikalisch ausgeformte Liebespaar zuvor bereits am Royal Opera House gesungen.
Dieser Londoner Mitschnitt unter Antonio Pappanos gewohnt farbintensiver Leitung liegt nun auf DVD vor – in der Regie von Jonathan Kent, der das Geschehen ins Heute überträgt, mit eindringlichen Bildern, kaum poetisch andeutend, sondern direkt, grell, als zeitkritisches Bild im Jetzt. Von den beiden Hauptdarstellern abgesehen, deren vokale Leistung und Bühnenpräsenz bereits gebührend gewürdigt wurden (siehe OW 8/2014), rückt vor allem Christopher Maltman in den Fokus, dem ein stimmlich subtil gearbeitetes Rollenporträt als abgründig gewiefter Lescaut gelingt.
Deutlich schwächer wirkt jene «Traviata», die Benoît Jacquot 2014 in Paris inszenierte (OW 8/2014). Jacquot ist von Hause aus Filmregisseur, für die DVD-Fassung verantwortet er gemeinsam mit Louise Narboni auch die Bildregie. Einzelne Bilder ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Christoph Vratz
Wie kein anderer Dirigent hat James Levine über Jahrzehnte das New Yorker Opernleben geprägt. Eine ganze Zuschauergeneration ist mit seiner künstlerischen Vision der Metropolitan Opera – für viele ein Synonym für Oper schlechthin – aufgewachsen. Als das Haus Mitte April bekannt gab, Levine werde zum Ende der Spielzeit als Musikchef zurücktreten, war zwar kaum ein...
Konventionell und langweilig ist es geworden, das Opernleben in Moskau. Daran können weder die wenigen gelungenen Inszenierungen (Georgij Issaakjans «Schlaues Füchslein» im Kindermusiktheater und «La Bohème» in der Neuen Oper), noch hervorragende vokale Leistungen (Nadja Michael als Katherina Ismailowa im Bolschoi Theater) oder Ausgrabungen (Martinus «Ariane» im...
Auf den Trank wurde schon andernorts verzichtet. Tristan und Isolde, das ist ja längst Regie-Common-Sense, brauchen für den Rausch keine Droge. Hier drängt es sie nach vorn an die Rampe, während hinten vertikal rasende Projektionen freien Fall suggerieren. Viel mehr geht nicht in diesem Raum, in dem sich auch Dressuren und Clowns denken lassen und der in einer der...
