Norbert Abels: Ohrentheater. Szenen einer Operngeschichte
Was ein Dramaturg ist und was er tut, kann an verschiedenen Theatern durchaus verschieden sein. Im schlimmsten Fall ist er ein gnadenlos überqualifizierter Sklave des Regisseurs: Zigarettenholer, Protokollant, Stichwortgeber. Am Ende soll er dann, möglichst billig (sprich: um Autorenrechte unbesorgt), Texte für das Programmheft zusammenstellen.
Im besten Fall ist er das mentale Zentrum eines Probenprozesses: besser informiert über das Stück als alle anderen, sensibel auf die Balance zwischen Musik und Szene achtend, sachgerecht jeden Probenknatsch schlichtend, Gravitationszentren des kreativen Werdens ortend und ausbauend. Am Ende darf er dann ein Programmbuch formen, das sofort zur Standardliteratur über ein Stück avanciert (und von weniger glücklichen Dramaturgen als Steinbruch benutzt wird). Es gibt Intendanten, die sich grundsätzlich schwache Dramaturgen ins Haus holen, weil sie selbst verkappte Dramaturgen sind. Und es gibt Generalmusikdirektoren, die nicht einmal den Namen des Dramaturgen wissen, weil sie glauben, es stehe sowieso alles in den Noten. Ein saures Amt, und heut’ zumal... Aber das muss nicht so sein.
Die Stückanalyse, die ein guter Dramaturg vornimmt, ...
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Im Januar 2009 ging Daniel Barenboim wieder einmal auf Jubiläumstour. Diesmal mit dem West-Eastern Divan Orchestra, das er zehn Jahre zuvor mit dem aus Palästina stammenden amerikanischen Intellektuellen Edward Said in Weimar gegründet hatte. Neben Auftritten in Moskau, Wien und Mailand waren – zum ersten Mal – Konzerte in Doha und Kairo geplant. Dann führte die...
Seid umschlungen, Millionen. Dass das «Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra» (BIPO) am Vorabend der Inaugurationsfeier Istanbuls zur diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Beethovens Neunte aufführte, war doppelt symbolträchtig – ganz im Sinne der erwähnten Zeile aus dem Chorfinale. Denn der vom türkischen Industriellen Ahmet Kocabiyik privat finanzierte...
Filmemacher haben bislang meist versagt, wenn sie sich an der Oper versuchten. Der choreografische Blick dagegen hat immer wieder zu erstaunlichen Impulsen geführt. Bei Rameau, dessen Komödie «Les Paladins» Arila Siegert jetzt in Düsseldorf auf die Bühne brachte, gehört die Verschränkung der Medien ohnehin zur Sache selbst. In Wiesbaden profitierte Verdis...
