Triumph der Musik
Vielleicht ist «La forza del destino» tatsächlich Verdis problematischste Oper. Denn ihr kruder Mix aus hitziger Ekstase zweier junger Männer, der Leidenskraft einer Frau, religiöser Introversion und surrealer Kriegsverherrlichung bündelt Kräfte, die nicht selten aneinander zerren und das dramaturgische Gefüge zum Knirschen bringen. David Alden, sonst nicht zimperlich, wenn es darum geht, einen Opernstoff in unsere Zeit zu transportieren oder eine schrill-bunte Vergegenwärtigung zu wagen, siedelte das Stück diesmal in seiner Entstehungszeit an – in den sechziger Jahren des 19.
Jahrhunderts. Das verblüfft in seiner konventionellen Optik, zumal nicht nur die Kostüme historisierend geschneidert, sondern auch die Bühnenräume konkret entworfen sind, sieht man einmal von der Waben-Tapete des häuslichen Refugiums zu Beginn ab, die leitmotivisch wiederkehrt und gleichsam die emotionale Fesselung Leonoras an den Vater symbolisiert. Rot tapeziert und heruntergekommen die Schenke, abstrakt die Einsiedelei, ein offener, von Gittern umzäunter Raum das Feldlager. Und über allem dräut Joachim Patinirs «Überfahrt in die Unterwelt» von 1521. Dessen rot glänzender Charon im Zentrum leuchtet ...
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In den zehn Jahren seiner Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper (1897-1907) hat Gustav Mahler dreiundsechzig Opern in etwa sechshundertfünfzig Vorstellungen dirigiert, daneben auch die Funktionen des Regisseurs und Geschäftsführers innegehabt und – gegen den Wiener Intrigantenstadl und eine anwachsende antisemitische Stimmung in Stadt und Land – die Szene und...
Oje, wenn das der liebe Gott sehen würde: Eine solche Life Story, und das ausgerechnet an einem Ort wie der altehrwürdigen Aldeburgh Church – er würde den Donner hinab zur Erde schleudern, auf dass die Menschen wieder einfache Diener in seinem Weinberg werden mögen. Aber was soll er machen, es ist zu spät. Ohne auch nur einen Funken Anstand zu besitzen, singt...
Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist überliefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden...
