«Ich hab' noch einen Koffer in Bayreuth»
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort angefangen hatte, habe ich in Darmstadt und Mannheim vorgesungen. Und nach Mannheim bin ich dann ja auch gegangen. Mit 21 habe ich dort Azucena gesungen, dann kam das Engagement nach Dortmund.
Meine «Raketenjahre» waren die vor Bayreuth.
Sie wollten aber doch schon damals nach Bayreuth, haben sich aktiv darum bemüht?
Stimmt. Ich habe selbst dort angerufen. Und zwar kurz nach den Festspielen, im Herbst 1981. Man sagte mir, ich möge mich doch im Mai nächsten Jahres wieder melden. Ich war mir sicher: Für eine Rheintochter verbringe ich nicht den ganzen Sommer in Bayreuth! Ich ging davon aus, dass man für den Solti-«Ring» Sänger brauchte, daher dachte ich, vielleicht eine Fricka singen zu können. Ich hätte mir damals noch etliche Berufsalternativen vorstellen können.
Welche?
Dolmetscherin zum Beispiel oder Gymnasiallehrerin. Ich bin ja ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Interview, Seite 26
von Kai Luehrs-Kaiser
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