Im Innern einer Kamera
«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley und dem Darsteller des Tadzio – Laurenz Johannis Leky – zum Leuchten, aber nichts um sie herum.
Schon vorher wollte Aschenbach diesen Tadzio im Foto festhalten und zerriss dieses Dokument doch gleich, freilich nur, um es in seinem Notizbuch bis zum Ende aufzubewahren.
Bei Keith Warner hat dieser Moment weit reichende Folgen einer umfassenden symbolischen Deutung: Den ganzen Abend über bewegen zwölf Statisten wie aus dem japanischen Theater ein Gehäuse, das den Verstrebungen einer alten Kamera gleicht – ins Riesenhafte vergrößert und auf einer Seite mit durchsichtiger Gaze verbunden. Im zweiten Teil wird diese Kamera – in ihre Bestandteile aufgelöst – zu Bilderrahmen für verschiedenste Schauplätze. Wenn sich aber im Hintergrund der Rundhorizont öffnet, dann blendet nur grelles, gesichtsloses Weiß den Zuschauer. Erst am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für...
Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die...
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...
