Seltene Entfesselung
Nach einem Album mit romantischen Arien, darunter selten zu hörende Preziosen von Franz Schubert und Otto Nicolai, legt Christian Gerhaher nun ein weiteres vor, das ausschließlich Mozart gewidmet ist und Bassarien aus den drei Da-Ponte-Opern sowie aus der «Zauberflöte» enthält. Das erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär – und ist es in vielerlei Hinsicht doch.
Gerhaher ist zwar vor allem als Maßstäbe setzender Liedsänger bekannt, hat aber mit seiner Kunst der expressiven Verdichtung auch auf der Opernbühne bislang ungeahnte Perspektiven auf Figuren wie Monteverdis Orfeo, Debussys Pelléas oder Wagners Wolfram eröffnet. Auch den Kosmos Mozart’scher Helden und Antihelden hat er neu beleuchtet, besonders eindrucksvoll als Don Giovanni vor einem Jahr in Frankfurt.
Auf seinem Album ist Gerhaher sowohl Don Giovanni als auch Leporello, Graf Almaviva wie Figaro. Er verzichtet darauf, seine Stimme zu maskieren, um Herrn und Diener zu charakterisieren – sie sind, wie nicht zuletzt die Inszenierungsgeschichte der Werke in jüngerer Zeit deutlich gemacht hat, einander ohnehin ähnlicher als früher behauptet. In Don Giovannis Canzonetta, mit einem kurzen Gastauftritt des wunderbaren ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Thomas Seedorf
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