Finsteres Doppel
Unschuldige Frauen in den Fängen geheimnisvoller, kontrollsüchtiger Männer – so könnte die Überschrift lauten, unter der Mariusz Treliński die Opern «Iolanta» von Tschaikowsky und «Herzog Blaubarts Burg» von Bartók zu einem psychologischen Doppel im Stile des film noir kombiniert. Mit Videoprojektionen von Bartek Macias entsteht auf der von Boris Kudlička eingerichteten Bühne (Licht: Marc Heinz, Kostüme: Marek Adamski) ein gespenstischer, vorwiegend in Schwarz-Weiß gehaltener Kosmos, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Die blinde Prinzessin Iolanta weiß nicht, dass sie anders ist als die anderen, und in Trelińskis Inszenierung ist ihr Vater, König René, darauf bedacht, sie in Isolation und Abhängigkeit zu halten. Doch als ein junger Adliger ihr vom Licht erzählt, entsteht in Iolanta der brennende Wunsch, sehen zu können. Treliński deutet an, dass es sich bei Judith in «Herzog Blaubarts Burg» später um dieselbe junge Frau handelt, die nun um jeden Preis die Wahrheit über die blutige Vergangenheit ihres rätselhaften (zweiten?) Gatten erfahren will.
«Iolanta» ist musikalisch das konventionellere Stück. Zwischen Schönklang und Schwermut changierend, wünschte man sich etwas mehr erotische ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heidi Waleson
Sechs Jahre sind verstrichen, seit die von der Mailänder Scala und der Opéra national de Paris koproduzierte Monteverdi-Trilogie mit «L’Orfeo» an den Start ging. Zwei Jahre später als geplant wurde der Zyklus nun in Mailand mit «L’incoronazione di Poppea» abgeschlossen – nach einer Voraufführung im Pariser Palais Garnier (siehe OW 8/2014). Rinaldo Alessandrini...
Wie man aus einer wahren Begebenheit ein tragfähiges Musiktheaterstück formen kann, hat jüngst der britische Komponist Joby Talbot (*1971) mit seinem Opernerstling «Everest» gezeigt. Thematisch fühlt man sich erinnert an Christian Josts’ «Angst» (2005): Talbots siebzigminütiges Werk, kürzlich an der Dallas Opera zur Uraufführung gelangt (in Kombination mit dem...
Da hockt der Gehörnte, grinst, glotzt, grimassiert. In Pelzmütze, halbnackt und starrend vor Schmutz. Als Samiel ist der Schauspieler Peter Moltzen fast immer auf der Szene in Michael Thalheimers Berliner «Freischütz»-Inszenierung. Ist er in diesem Höhlenschlund voll dürrer Zweige die Verkörperung der Instinkte, die uns umtreiben? Ängste, Triebe? Denn jeder ist...
