Romeo und Julia auf Aserbaidschanisch
Es ist ein Opernabend der anderen Art. Im ausverkauften Opernhaus von Baku freilich gehört die Aufführung von «Leyli und Madschnun» zum festen Ritual eines dem aserbaidschanischen Komponisten Uzeyir Hadschibeyli gewidmeten Festivals. Während auf der Bühne das große Liebesdrama zelebriert wird, leuchten im Publikum unentwegt Handys auf, es wird fotografiert und gefilmt, was das Zeug hält, sogar telefoniert, auf den Rängen herrscht ein reges Kommen und Gehen.
Die meisten Zuschauer lassen sich von dem Geschehen allerdings bannen, sie belohnen die Interpreten immer wieder mit frenetischem Sonderapplaus.
«Leyli und Madschnun» ist die orientalische Version der Romeo-und-Julia-Geschichte. Leyli soll auf Drängen ihres Vaters mit dem reichen Ibn Salam verheiratet werden, doch sie liebt den armen Hirten Geys, der angesichts der ausweglosen Situation den Verstand verliert, zu Madschnun, dem «Verrückten» wird und in die Wüste geht. Am Ende sterben beide den Liebestod. Im Westen kaum bekannt (die Ruhrtriennale präsentierte 2010 in der Jahrhunderthalle Bochum eine musiktheatralische Neufassung des Stoffs von dem palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi), hat das 1908 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Josef Oehrlein
Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel...
Er ist ein Außenseiter. Von der Dorfgemeinschaft misstrauisch beäugt. Auch wenn Peter Grimes am Anfang das Zentrum bildet auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Es besteht kein Zweifel, dass er gegen das Wüten der anderen am Ende keine Chance haben wird. Zwar wird Brittens verstrickter Schmerzensmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, doch für die...
Das Elend dieses ganz und gar missglückten Opernabends zeigt sich ausgerechnet in seinem schönsten Moment. Da schleicht ein Plüschpuma auf die Bühne, mächtig wie ein Elefant, wild wirft er den Kopf, reißt das Maul auf und wackelt mit dem Schwanz. Warum bekommt das Vieh eigentlich keinen Szenenapplaus? Das Team der Theaterplastik hat sich selbst übertroffen, aber...
