Der Ritter mit dem Dolch
Auch das ist die Zürcher Oper: vier Edeltenöre in vier Neuinszenierungen nacheinander – Jonas Kaufmann in den «Königskindern», Marcelo Alvarez im «Troubadour», Neil Shicoff in der «Jüdin» und zuletzt José Cura als «Le Cid» in Jules Massenets Grand Opéra, seinem 1885 schon anachronistischen Beitrag zur Gattung.
Cura, dessen eigener Vater am Premierentag gestorben war, gab gleichwohl den konfliktbewussten Ehrenrächer seines Bühnenvaters – am Vater der Geliebten, die sich wiederum im ungleich heftigeren inneren Kampf zwischen Dennoch-Liebe und Rache schließlich zum Maurenbezwinger und Nationalhelden bekennt.
Große Oper also – und in Zürich auch wieder nicht. Denn der Regisseur Nicolas Joel ließ in der Koproduktion mit seinem Toulouser Haus einen wesentlichen Bestandteil (und den populärsten Part der Musik) verschwinden: das umfängliche Ballett. Ganz anders als sein Kollege David Pountney nur drei Wochen zuvor: Der hatte, im Gegenteil, die Tänze enger mit der Handlung von Halévys «Jüdin» verschweißt, als das Libretto es vorsieht. Joel inszeniert solide und konventionell, erzielt indes in seiner gediegenen Sachdienlichkeit auch spannungsvolle Momente, fängt zwischen simpler Stehoper ...
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