Eine letzte Kraftprobe

Szymanowski: Król Roger Wuppertal / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Am Wuppertaler Opernhaus ist mit der letzten Premiere der Saison eine Tradition zu Grabe getragen worden. Denn die Neuinszenierung von Karol Szymanowskis «Król Roger» ist definitiv die letzte Produktion mit einem festen Ensemble. Sie unterstreicht mit Nachdruck noch einmal, was Wuppertal und die Opernlandschaft in Nordrhein-Westfalen verlieren: eine gewachsene Tradition und den Mut, an einem mittleren Haus ein experimentierfreudiges Programm nicht nur zu realisieren, sondern auch beim Publikum durchzusetzen.

Mit dem Ende der Spielzeit wird das hervorragende, in allen musikalischen Epochen erstaunlich sattelfeste Wuppertaler Ensemble entlassen, fortan will der neue Chef Toshiyuki Kamioka nur noch eingekaufte Produktionen mit (billigen) Gastsängern nach dem stagione-Prinzip spielen. Und zwar vorzugsweise konsensfähige Repertoire-Hits, von denen man sich ein volles Haus verspricht.

Riskofreudige Unternehmungen wie die Produktion von Szymanowskis selten gespieltem «Król Roger» dürften nun der Vergangenheit angehören. Ganz zu schweigen von Uraufführungen, wie kürzlich dem «Universums-Stulp» oder der Staffel von Sciarrino-Premieren, deren sich Wuppertal einst rühmen durfte. Wobei die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Aus dem Leben eines Taugenichts

Ein freier Tag in Zürich. Ich streife durch die Geschäfte, auf der Suche nach einem Souvenir. Eine Rolex! Kein Geld, die Gage gibt’s nicht her. Manche kriegen sowas geschenkt, aber ich bin (noch!) nicht berühmt genug. Ein Raclette-Grill? Zu sperrig. Eine Kuckucksuhr? Zu hässlich. Dann eben ein richtig gutes Schweizer Taschenmesser. Das war vor zwanzig Jahren. Auf...

Tribunal, Groteske, Innenschau

Auch im Jahr nach seinem 100. Geburtstag steht Benjamin Britten weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser – was einmal mehr unterstreicht, dass es ihm als vorerst letztem Komponisten gelungen ist, mit seinem Schaffen im Repertoirebetrieb allgegenwärtig zu sein. Das liegt nicht nur an der musikdramatischen Stringenz der Werke, sondern auch an ihren verstörenden,...

Bayreuth und der Erste Weltkrieg

Am 22. Juli 1914, einem Mittwoch, wurden die Bayreuther Festspiele mit dem «Fliegenden Holländer» eröffnet. Inszenierung und Bühnenbild stammten von Siegfried Wagner, der auch dirigierte. Für die Festspiele waren noch der «Ring des Nibelungen» unter dem Dirigat von Michael Balling und der «Parsifal» unter Karl Muck geplant. Vorgesehen waren insgesamt 20...