Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste.
Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie aber auch als Versuch deuten, die damals üblichen Textprojektionen auf die Brecht-Gardine durch das Spiel eines leibhaftigen Rezitators zu ersetzen und so die Form des «epischen Theaters» für die Gegenwart zu vitalisieren. In Hagen, wo nun erst die zweite «Mahagonny»-Produktion in der Geschichte des Hauses erfolgte, griff Regisseur (und Intendant) Rainer Friedemann die Idee auf. Als Sprachrohr des Brecht’schen «Verfremdungseffektes» wählte er allerdings keinen nüchtern referierenden Kommentator, sondern Herbert Feuerstein, einen Fernsehprominenten, der unter anderem als Partner des Entertainers Harald Schmidt bekannt wurde. Feuerstein stimmt durchaus launig-gekonnt auf das Stück ein, wird dann aber nur noch zum strohtrockenen Aufsagen von Zwischentexten genötigt (besonders hilflos wirkt das in der Hurrikan-Szene), um ...
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