Alles muss gezeigt werden

Der neue «Ring» von Robert Lepage und James Levine an der Metropolitan Opera bleibt auch in der «Walküre» von technischem Aufwand dominiert. Ein geistiges Konzept ist dagegen kaum auszumachen.

Opernwelt - Logo

Dass der zweite Teil des neuen «Ring» an der Metropolitan Opera weniger enttäuschte als der (dürftig besuchte) «Rheingold»-Auftakt im letzten September, ist kaum überraschend. Die «Walküre» war durch die Bank stärker besetzt, wenngleich Deborah Voigts stimmliche Verfassung bei der Gestaltung der Titelrolle durchaus Wünsche offen ließ. Geprägt wird dieser «Ring» aber vor allem durch Robert Lepages sündhaft teure «Maschine» – jene oft störend geräuschintensive Einheitsbühne, die der Vision des Regisseurs zugrunde liegt.

Der technische Aufwand ist enorm, von einem intellektuellen Konzept kann dagegen nicht wirklich die Rede sein. Wer weiß: Vielleicht erwarten uns zum Abschluss der Tetralogie im nächsten Jahr ein spektakulärer Waldvogel oder isländische Lavaströme? Für die «Walküre» haben Lepage und seine Ausstatter zumindest zwei Effekte parat, die im Gedächtnis bleiben: Die 24 Kolben der «Maschine» verwandelten sich während des Vorspiels nicht nur in verschneite Baumstämme, sondern leisteten als «Steckenpferde» bei der Umsetzung des Walküren-Ritts erfrischende, bisweilen gefährlich anmutende Dienste. Insgesamt besaßen Bühne und Ausstattung jedoch bestenfalls funktionalen Charakter. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von David Shengold

Weitere Beiträge
Geometrie des Mythos

Wie im vergangenen Jahr «Das Rheingold», so boomt in dieser Spielzeit «Die Walküre» – auf dass der Wagner-Geburtstag 2013 gebührend mit der kompletten Tetralogie gefeiert werden kann. Unter den europäischen «Ring»-Projekten betreibt die vergleichsweise junge Oper in Sofia gewiss das mit dem größten finanziellen Handicap, und trotzdem liegt sie beeindruckend gut im...

Zwischen großer Oper und Komödienstadel

Sie schleppt sich dahin, die Wiederent­deckung des Opernkomponisten Georg Philipp Telemann. Zwar steht immer wieder eines seiner Bühnenwerke auf dem Spielplan eines deutschen Opernhauses, doch belegen diese Aufführungen meist vor allem Unentschlossenheit – zwischen den Polen hausgemachten Ensembletheaters und his­torisierendem Spezialistentum hat sich bislang noch...

Der progressive Konservative

Nach dem Ende des Dritten Reiches war keine kulturelle Institution so kontaminiert wie die Bayreuther Festspiele. Einzig dem Testament von Sohn Siegfried und dem Besitz des Festspielhauses hatte es die bereits seit 1923 ganz der Person Hitlers und seiner völkischen Weltanschauung hörige Familie Wagner zu verdanken, dass man ihr die Fortführung der Festspiele nicht...