Fertig geschmiedet
Der Bayreuther «Ring» von 1955, dessen Teilveröffentlichung durch das britische Label Testament im vergangenen Sommer eine Sensation auf dem bewegten Histo-Markt war, liegt nun komplett vor. «Das Rheingold» und «Götterdämmerung» bestätigen und vertiefen die damaligen Eindrücke (vgl. OW 9-10/2006). Eine Aufnahme von seltener Geschlossenheit und auch in klangtechnischer Hinsicht den anderen Bayreuther Live-Dokumenten aus den fünfziger Jahren überlegen. Die Aufnahmetechnik der Decca machte es möglich.
Mehr noch als in den Aufführungen Hans Knappertsbuschs kann man in diesem von Joseph Keilberth dirigierten «Ring» den Stil des Neuen Bayreuth erkennen, denn der Entrümpelung der Szene entspricht die Entschlackung des Klangs. Mit der «Götterdämmerung» ist Keilberth fünfundzwanzig Minuten eher fertig als sein Kollege Knappertsbusch, aber es entsteht nirgends der Eindruck von Eile. Die Wahl der Tempi wirkt ebenso wie die der Dynamik immer organisch, es entsteht insgesamt ein ruhiger Erzählfluss, der die gesungenen Dialoge in heute nicht mehr üblicher Plastizität hervortreten lässt. Wolfgang Windgassen und Astrid Varnay vertiefen in der «Götterdämmerung» ihre ausgefeilten und passionierten ...
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