Brüten und Wüten
Wenn er die Nase voll hat vom Standardrepertoire oder Regiekasperltheater, dann zieht es den Musiktheaterfan gern in die mitteldeutsche Provinz, wo sich in Chemnitz, Halle, Erfurt, vor allem aber in Gera eine bemerkenswerte Entdeckerlust findet. Unbekanntes, Sagenumwobenes, Rares wird da aus dem Fundus der Operngeschichte geborgen. Unlängst erweckte das Theater in Gera Pavel Haas’ spritzig burleskes Stück «Der Scharlatan» aus dem Dornröschenschlaf, nun nahm man einen eigenwilligen Beitrag zum Schiller-Jahr ins Programm: Jaromír Weinbergers Vertonung des «Wallenstein».
Mit seinem 1927 uraufgeführten Musiktheater «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» eroberte der 1896 in Prag geborene, später in Deutschland und Österreich lebende und nach der NS-Machtübernahme in die USA emigrierte Komponist einst die Bühnen Europas. 1937 brachte die Wiener Staatsoper den «Wallenstein» heraus. Stark komprimiert, in einer Textfassung von Max Brod (der wiederum eine tschechische Schiller-Übertragung rückübersetzte) ziehen hier einzelne Handlungsteile und Spielorte vorüber: Wallensteins Lager, die unglückliche Liebesbeziehung zwischen Max Piccolomini (in Gera exzellent gesungen von Vincent Wolfsteiner) und ...
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Der Coup dieser Fernsehproduktion aus der Met ist der Einsatz von Natalie Dessay als Moderatorin. Sie war zwei Jahre zuvor die Premieren-Lucia und stellt (oder besser: führt?) jetzt ihre Nachfolgerin vor: «The great Russian soprano Anna Netrebko». Sie gratuliert ihr erst zum Baby und lässt einfließen, dass sie deren schon zwei habe, fragt sie nach den...
Sanft steigt die Violin-Lineatur aus dem Graben, die Robert Schumann aus dem Geiste Mendelssohns entwickelt. Diskret verstärken die Holzbläser die Höhenlinien des nazarenischen E-Dur-Andante, das auf ein Alt-Solo zuführt: «Vor Edens Tor im Morgenprangen stand eine Peri schmerzbefangen.» Diese Peri, Figur eines fernen indischen Himmels, ist aus näher nicht genannten...
Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...
