Zarte Mystik, lodernde Emphase
Er hatte wohl recht, jener Kritiker der halboffiziellen «Gazzetta privilegiata di Venezia», als er Verdis «Simon Boccanegra» nach dem Uraufführungsfiasko im März 1857 «eine vielleicht zu gewaltige, zu ernste Musik» bescheinigte und diagnostizierte, «eine Grabesstimmung» beherrsche die Partitur. Tatsächlich hatte Francesco Maria Piave, der Librettist der Urfassung, versucht, Verdi zu mehr Arien und weniger politischen Dialogen zu bewegen, doch der Komponist beharrte auf den Vorgaben der spanischen Originalvorlage.
Auch die dank der kundigen Feder Arrigo Boitos 1881 für die Mailänder Scala erstellte zweite Fassung der Oper hellte die tinta lugubre kaum auf. Im Gegenteil: Noch schwärzer, von Moll-Tonarten verschatteter geriet die letztgültige Version des Werks, die für auflockernde Belcanto-Einlagen wenig Raum ließ.
Das also war Verdis romantisch eingefärbte Vision der feroce storia, der wilden Historie Italiens im 14. Jahrhundert: soziale Unterdrückung und politische Korruption innerhalb der Stadtmauern, erbitterte Kriege zwischen den Kleinstaaten – eine Gemengelage, die schließlich zum Niedergang des Landes führte. Alles Geschichte? Alte Fehden, die der Vergangenheit angehören? Das ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Carlo Vitali
Zum Doppeljubiläum Wagner/ Verdi hatte die Hochschule für Musik und Tanz in Köln eine Ringvorlesung angesetzt, die den Untertitel «Kulturen der Oper» trug. Die Idee mag auf den ersten Blick wenig spektakulär sein, zeigt sich aber bei näherer Betrachtung als überaus anspruchsvoll. Die zwölf daraus hervorgegangenen, vom Initiator Arnold Jacobshagen jetzt in Buchform...
Verkannt, versucht, für gut befunden
Üblicherweise streicht Gluck das Lob für die Opernreform im 18. Jahrhundert ein. Dabei war er nicht der Einzige, ja nicht einmal der Erste. Was trug zum Beispiel der Italiener Niccolò Jommelli dazu bei? Sergio Morabito hat im Vorfeld der Stuttgarter Neuproduktion von «Berenike» nachgeforscht.
Vagabunden
Das Staatstheater am...
Die Kuppel über der Bühne in der Londoner Wigmore Hall, dem inoffiziellen Mekka des Liedgesangs, ziert eine sympathisch kunstgewerbliche Allegorie der Künste, wobei die zentrale Figur die Seele der Musik symbolisiert und der Feuerball über ihr den Genius der Harmonie versinnbildlicht. Das Bild hat sich bei vielen Besuchen so selbstverständlich in die Erinnerung...
