Müder Staatsakt
Der Komponist wollte das Stück nicht im Repertoire sehen – «Libuše» sollte besonderen Anlässen, nationalen Feierlichkeiten reserviert bleiben. Zwar haben es Regierungen aller Couleurs auch so gehalten, und das in heroischen Sekundintervallen wabernde Thema der Ouvertüre dient seit 1918 sogar als offizielle Fanfare des tschechoslowakischen, inzwischen bloß noch tschechischen Staatspräsidenten. Den Niederungen des Betriebsalltags entging Smetanas Nationaloper deswegen nicht. In Prag steht sie eigentlich ständig auf dem Spielplan.
Keine einfache Aufgabe, das zum Regelfall gewordene Ausnahmewerk anlässlich des 100. Jahrestags der Republik erneut und seinem Nimbus entsprechend zu inszenieren.
Pilsen hatte schon im Herbst 2017 den Anfang gemacht, es folgten Aufführungen beim Festival in Smetanas Geburtsort Litomyšl und in Pardubice, jetzt kamen Brünn und Prag an die Reihe. Selbst das abtrünnige Bratislava präsentierte in einem Galakonzert den Finalakt der «Libuše», allerdings kombiniert mit Eugen Suchoňs «Svätopluk», der slowakischen Nationaloper.
Die größte Aufmerksamkeit durfte Prags Nationaltheater beanspruchen, hatte doch Smetana die Oper just für diese Lokalität geschrieben. ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Volker Tarnow
Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden...
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren. Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager...
Wiederentdeckung eines Meisterwerks – oft ist diese Formulierung nicht viel mehr als PR-Hype. Auf diesen «Arminio» aber, eine Partitur aus dem Jahr 1706, die Rinaldo Alessandrini im Archiv der Habsburger Hofkapelle aufgestöbert hat, trifft sie durchaus zu. Nicht so sehr wegen der Form: Das Stück erfüllt alle Kriterien der feste teatrali, die am Wiener Hof damals...
