Großes Herz, viel Humor, makellose Technik
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome behauptete sie schon mal, Jochanaans Hund geküsst zu haben.
Solche Anekdoten an den Anfang eines Nachrufs zu stellen, mag seltsam erscheinen. Doch hätte es die Caballé ganz sicher nicht als Pietätlosigkeit betrachtet.
Ihr Humor – begleitet von heftigem Kichern, das den Körper in konvulsivische Zuckungen versetzte – war ja legendär. Zugleich machte er sie so nahbar wie sonst kaum eine Diva der Opernwelt. Ihrer unprimadonnenhaften Herzlichkeit wegen wurde sie vom Publikum geliebt – und auch von den Sängerkollegen, was gerade auf diesem Terrain entschiedener Eitelkeit und Eifersucht fast wie ein Wunder erscheint.
In Rom hatte mal jemand «Stupenda» an ihre Garderobentüre geschrieben, eilig, in wackeligen, schüchternen Großbuchstaben, so, als wolle er sich bei dieser Geste herzlicher Verehrung nicht ertappen lassen. Es war ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2018
Rubrik: Abschied, Seite 36
von Gerhard Persché
Langsam schreitet eine weiß gepuderte und perückte Adelsgeselllschaft zum Te Deum in die von Christian Schmidt naturalistisch nachgebaute römische Kirche Sant’ Andrea della Valle. Ein greiser Kardinal führt die Riege stocksteifer katholischer Würdenträger an. Scarpia singt sich währenddessen in einen solchen sexuellen Rausch, dass er sein Umfeld überhaupt nicht...
Seit seinem Amtsantritt als Intendant der Opéra national de Paris hat es sich Stéphane Lissner zum Ziel gesetzt, neue Musiktheaterwerke in Auftrag zu geben, die auf Klassikern der französichen Literatur gründen. 2017 war Balzac mit Luca Francesconis «Trompe-la-mort» an der Reihe, für 2021 ist Claudels «Le Soulier de satin» annonciert, vertont von Kaija Saariaho....
In seinen 1981 erschienenen «Versuchen über die Oper» widmete Hans Mayer, mit Blick auf Mozarts «Così», einige Absätze auch jenem Roman, der weiland zu den meistdiskutierten zählte: Wilhelm Heinses «Ardinghello und die glücklichen Inseln» von 1787 bildete, als deutsches Gegenstück zu Choderlos de Laclos’ fünf Jahre zuvor publizierten «Liaisons dangereures», die...
