Präzision und Brio
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich triumphal abzustreifen. Die Neuproduktion der Hamburger Staatsoper (siehe S.
40) trennten nur ein paar Tage von der Premiere des Aachener Opernhauses, wo Regisseur Mario Corradi das Geschehen in ein heutiges Mafia-Milieu überträgt. Wenige Kilometer jenseits der Grenze, am schmucken Opernhaus von Liège, gab es eine dritte Inszenierung. Erwartungsgemäß fiel die Regie von Jean-Claude Fall deutlich konservativer aus. Für inszenatorische Wagnisse ist das Haus nicht bekannt – in den Schaukästen werden nach wie vor als Lockmittel üppige historisierende Kostüme präsentiert.
Allerdings siedelt Jean-Claude Fall die Handlung – eine Intrige um eine nicht standesgemäße Liebe im Abendrot des Feudalismus – weder in der Zeit Schillers noch in der Entstehungszeit von Verdis Oper an, sondern verlegt die Handlung in den italienischen ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Frau He, Sie sind eine der ganz wenigen Chinesinnen, die es im internationalen Opern-Business bis ganz nach oben geschafft haben. Nur in Peking selbst sind Sie kaum präsent ...
Stimmt, ich bin China nicht so bekannt. Meine Karriere hat sich seit meinem Debüt an der Wiener Volksoper 2004 vor allem im Westen entwickelt. Ich bin es gewohnt, als einzige asiatische...
Ein Un-Ort. Ein ungemütlicher Platz. Auf der weiten Basler Arbeitsbühne etliche Wasserbeete und ein gewaltiger Kran, dessen untere «Etagen» etwas bemüht auch Desdemonas Gemach hergeben. Susanne Gschwenders «Otello»-Szene sagt viel – vor allem, dass niemand freiwillig hier ist. Schon gar nicht die gefesselten und von Stacheldraht eingezäunten Massen, die am...
Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was...
