Meta-Oper
Jacques Offenbachs einzige Oper hat es in sich: Obwohl Freud noch längst nicht in Sicht war, drängen sich angesichts der an Traumsequenzen erinnernden Handlung psychoanalytische Deutungsmuster auf. Drei bizarre Liebesgeschichten erzählt der dauertrunkene Dichter Hoffmann – für den E. T. A. Hoffmann Pate stand – seinen Saufkumpanen im Laufe einer durchzechten Nacht. Leblose Puppe, Künstlerseelchen mit Hang zur Tragödie und venezianische Hure: Hinter Hoffmanns Objektwahl verbergen sich die Antagonismen männlichen Begehrens.
Man kann Offenbachs Torso, von dem es bis heute keine definierte Gestalt gibt, aber auch als eine Art Meta-Oper lesen, als eine Reflexion über Kreativität, Inspiration und Kunstwillen. Letzteren Weg hat die scheidende Bielefelder Operndirektorin Helen Malkowsky gewählt und die drei Episoden auf ungemein einleuchtende Weise miteinander verflochten. Saskia Wunsch hat dazu die Drehbühne mit durch Gänge, Treppen und Türen verbundenen Räumen bestückt, die jeweils die Hauptspielorte der einzelnen Episoden markieren und fließende Übergänge und Ortswechsel ermöglichen. Der Prolog-Akt beginnt in einer Theaterkantine, in der eine Autorenlesung von Hoffmanns neuestem, aber ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Er sei in der «vokalen Wellness-Diät des Liedgesangs» aufgewachsen und wolle diesem Genre, so gut es ginge, auch treu bleiben, um die Stimme frisch zu erhalten. Dies meinte James Rutherford, Bayreuths Hans Sachs bis 2011, vor zwei Jahren im Interview mit dem Schreiber dieser Zeilen. Von 2000 bis 2002 war Rutherford «New Generation Artist» der BBC und als solcher...
Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam...
Wenn Monteverdi laut Barrie Kosky die DNA der Oper geschrieben hat, so repräsentiert Cavalli zwischen 1640 und 1660 die zweite Generation. Die 42 Opern des mutmaßlichen Monteverdi-Schülers erweitern, variieren und differenzieren die Figuren- und Szenen-Modelle des Ulisse und der Poppea, räumen dem «singenden Sprechen» aber einen weit größeren Raum ein als diese....
