Schuld und Sühne
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte er all den nützlichen und weniger nützlichen Nippes, all die Liebesgeschichten, die sich aus den objets trouvés herausschälten, gut gebrauchen können für sein «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld so eine Sache ist. Genau darum nämlich geht es nicht in «All the good» von Jan Lauwers, das dieser mit seiner Needcompany in die Maschinenhalle Zweckel hineinmontierte. Es geht vielmehr um die existenzielle Frage, wie Schuld aus einer privilegierten Perspektive heraus entsteht. Und was die Kunst dazu zu sagen hat: politisch, ästhetisch.
Und irgendwie auch postdramatisch-immersiv.
Lauwers’ Position gibt sich eindeutig zweideutig: «Es ist eine Katastrophe, wenn Politik das Ziel von Kunst wird. Für mich muss Kunst eine dialektische Beziehung zur Kultur, zur Welt haben, in der sie produziert wird.» Kunst, wie es uns Großvater Hegel ins Stammbuch schrieb, als «Darstellung der Welt». Aber mit anderen Mitteln. Diese Kunst schleicht durch die Hintertür des Privaten hinein – als Familiengeschichte, die jedoch mehr ist als ein verschämter Blick in die heimische Kommode.
Zwei Erlebnisse waren prägend für den belgischen Theatermacher. Einmal die ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
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Ihre Faszination für das Epos, ihre Liebe zur Musik sieht man: Ana Kelo inszeniert den Vorabend der «Ring»-Tetralogie mit größtem Respekt. Sie hinterfragt wenig, sie erzählt einfach die Geschichte, in der Personenführung schnörkellos klar, in den Bühnenbildern von Mikki Kunttu so farbenfroh wie deutlich, märchenhaft, monumental. Die Nibelungen-Brüder gleichen mit...
