Marktforschung
Die prekäre Finanzlage seines Londoner Opernunternehmens setzte bei Händel ab Mitte der 1720er Jahre einen Extraschub an kreativer Energie frei. Jede seiner Opern aus dieser Zeit ist zugleich ein Stück praktische Marktforschung nach dem Trial-and-Error-Prinzip: Nachdem er noch im Ende 1727 uraufgeführten «Riccardo Primo» (siehe OW 3/2008) versucht hatte, das Publikum mit einem farbigen Historienstoff und orchestraler Opulenz zu ködern, probierte er es ein knappes halbes Jahr darauf im «Tolomeo» mit dem genauen Gegenteil.
Ohne Gelegenheit zu spektakulärem Bühnenzauber, ohne Chorszenen und virtuose Instrumentalobligati reduziert Händel die Geschichte um den exilierten Ägypterkönig auf ihre nackte Seria-Essenz. Alles, was hier in denkbar knappen zweieinhalb Stunden passiert, entwickelt sich allein aus der charakterlichen Disposition der fünf beteiligten Figuren, die auf ihrer Insel eingesperrt sind wie in einem Container. Ein Radikalkonzept, das freilich den Stimmen die ganze Last der Emotionsvermittlung aufbürdet: Stärker als jede andere Händel-Oper steht und fällt der «Tolomeo» mit der Qualität der Sänger. Kein Wunder, dass die bisher erhältlichen, gesanglich kaum mehr als ...
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Mozart, Wagner, Massenet, Puccini, Strauss, Berg – Donald Runnicles hat an der Met bereits ein breites Repertoire dirigiert. Das Ergebnis bewegte sich dabei eher auf Alltags- als auf Festspielniveau. Die Premiere der neuen Produktion von Brittens «Peter Grimes» ergab ein anderes Bild. Runnicles gelang eine erstklassige Aufführung, vom ersten bis zum letzten Takt:...
Die Prager Staatsoper (Státní Opera Praha) gibt es genau genommen erst seit sechzehn Jahren. Doch die Operngeschichte reicht weit zurück. Einige Beispiele: 1787 wird in dem 1783 gegründeten Nostiz’schen Nationaltheater Mozarts «Don Giovanni» uraufgeführt; 1789 übernimmt Carl Maria von Weber die Leitung des nun unter dem Namen Stavovské Divadlo firmierenden Theaters...
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