Beherzte Eingriffe

Das Theater Plauen-Zwickau kombiniert Peter Cornelius’ «Barbier von Bagdad» mit arabischer Musik und setzt Monteverdis «L’Orfeo» zeitgenössische Klänge zu

Opernwelt - Logo

Man sieht es und staunt: Mitten auf der kleinen Bühne des Theaters Plauen ist ein fliegender Teppich gelandet und hat gleich einige Musiker aus dem Orient ins schöne Sachsen mitgebracht. Diese ergänzen nun mit authentischen Klängen aus ihrer Heimat die von Peter Cornelius recht umständlich erzählte Geschichte vom verhinderten Liebespaar und der Hilfe durch den gerissenen Abul Hassan Ali Ebe Becar; Klänge, die den Weimarer Liszt-Jünger seinerzeit, als er die Geschichte aus 1001 Nacht vertonte, nicht die Bohne interessierten.

In Plauen wird Cornelius’ Partitur von dem Dirigenten Mark Johnston am Klavier so gekonnt improvisiert, dass sie gleichsam als Bindeglied zur Instrumentalkunst (Laute, Schlagzeug) und zum Gesang der arabischen Musiker dient. Vor allem Ghandi Al Jrf verleiht mit seinen virtuosen vokalen Verzierungen dem Werk jenen emotionalen Tiefgang, der Cornelius’ kühler Tonsprache schmerzlich fehlt. Für den Komponisten und seinen «Barbier von Bagdad» ist es kein Kompliment: Die Struktur der Oper wird dadurch nicht zerstört, sondern tritt ganz im Gegenteil klarer zutage als im Original.

Auch wenn der Arbeitsprozess dem Vernehmen nach recht kompliziert gewesen sein mag, hat ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Uwe Friedrich

Weitere Beiträge
Mal ehrlich März 2018

Vor 25 Jahren machte ich mich an einen Roman. Zwischen meinen Proben für Monteverdis «Ulisse» in Amsterdam gab’s viel Zeit totzuschlagen. Wartephasen sinnvoll zu füllen, ist überlebenswichtig als Comprimario – und wozu kleine Brötchen backen?

Leider habe ich das Manuskript, zusammengehämmert auf einer elektrischen Reiseschreibmaschine, längst verschlampt. Mein...

Text und Sinn

Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...

Wie das Leben selbst

Ein Doppelschlag bekräftigt die republikweite Bedeutung der Oper Frankfurt: Innerhalb von acht Tagen gab es am Willy-Brandt-Platz und im Bockenheimer Depot zwei Premieren, deren Unterhaltungswert in etwa dem Diskussionsbedarf entspricht, den sie auslösen. Wer zu Sarkasmus neigt, könnte meinen, eine höhere Instanz habe diese Kombination gewählt, um das berühmte...