Schneidende Wucht
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten Hauptwerken («Holländer», «Tannhäuser») zeitlebens laborierte, schließlich fand, er «schulde» den «Tannhäuser» noch.
In der Tat wirkt der Schluss heikel, ungelöst, unerlöst: Die Erlösung, die dem Irrenden durch das «Weib» zuteil werden soll, bleibt fraglich, auch kompositorisch. Entsprechend angeklebt klingt auch das finale Senta-Motiv schon in der «Holländer»-Ouvertüre. Während die knapp-fatalistische Frühfassung hart die Tröstlichkeit verweigert. Doch das Aufflammen der d-Moll-Ouvertüre gehört zu den packendsten Eröffnungen, würde schon für sich Wagners Rang sichern, analog zum d-Moll-Sturm der «Walküre», deren «Feuerzauber» freilich höchst wirksam flammt.
Auch die Frankfurter Premiere beginnt als tönender Schlag vor den Kopf, so unmittelbar springt einen die hohle Quinte an: ein wahres Sturmstück, ins Frenetische ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard R. Koch
Nicht alle Hunde, die bellen, beißen auch. Weiß man ja. Der Jäger, der Schneewittchen töten soll, bringt das nicht fertig. Bei Elena Kats-Chernin und Susanne Felicitas Wolf in Berlin muss Schneewittchen nicht mal alleine durch den dunklen Wald: Ein Riesenkarnickel steht ihr bei. Damit sich bloß keiner gruselt. Dazu gibt’s einen bunten Salat aus Britten und Wagner...
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...
Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist. Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das...
