Wenn alle Schranken fallen
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus Schlemmer und ich 1994 den Preis des Deutschen Musikrats gewannen, sind wir ein Jahr durch Deutschland getourt und haben auch fast ausschließlich davon gelebt.
Mit Liedern tingeln, diese Erfahrung machen die wenigsten jungen Sänger. Die Liebe zum Lied ist geblieben.
Ist man auch gehemmt, weil das Lied für viele in einer ganz bestimmten, vielleicht zum Klischee geronnenen Tradition steht? Intellektuell, dozierend, mit nicht zu großer Stimme ...
Das ist wohl so, aber ich habe mich davon nie einengen lassen. Entscheidend ist doch die Authentizität. Sowohl in der Oper als auch beim Lied berührt man dann, wenn man mit seinen eigenen Mitteln gestaltet, sich treu bleibt. Ich hatte eben von vornherein ein großes Material. Meine Lehrerin meinte immer: «Sing ein Piano mit deiner Stimme!» Außerdem: Das große Vorbild war und ist für mich ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel
La Scala
Am 7. Dezember, dem Namenstag des Stadtpatrons Sant’Ambrogio, eröffnet die Mailänder Scala traditionsgemäß ihre neue Saison. Diesmal wird mit der französischen Nationalheiligen gefeiert –«Giovanna d’Arco», im Klanggewand Verdis. Riccardo Chailly, der neue Musikdirektor, dirigiert.
Franz welser-Möst
Er musste manchen Rückschlag einstecken, kann aber auch...
Glitzerpianisten, Violinwunder, Vokalartisten hin oder her – im Klassikbetrieb steht der Dirigent an der Hierarchiespitze: qua Aura, Bandbreite und sozialer Sonderrolle. Er ist der solitäre Lenker, ihm müssen Musiker folgen, egal, ob er kühl-autoritär auftritt wie Lorin Maazel oder sich demokratisch gesinnt gibt wie Claudio Abbado. Seine gestisch zwar sichtbare,...
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