Starke Konkurrenz, edle Vielfalt
Sie heißen Dori oder Oronte, Merope oder Polifonte, Adelberto oder Ottone, und gemeinsam ist ihnen ein ziemlich übler Wohnort: Als Kriegsrecken, schmachtende Blaublüter oder Intriganten hausen sie dort, wo’s staubig ist – in Archiven und Bibliotheken. Manchmal dürfen sie ans Licht, wenn eine Rettungsaktion organisiert wird. In Innsbruck ist das Alltag, nicht nur im Falle verstiegener Wanderer auf der Nordkette, sondern ebenfalls vergessener Opernfiguren.
Dabei ist der Titelheld von Händels «Ottone», 1723 erstmals und erfolgreich in Rom zu erleben, noch die bekannteste Causa.
Der Germanenkönig will durch die Heirat Teofanes sein Reich ausdehnen, Witwe und Sohn des entthronten Herrschers möchten genau das aber durchkreuzen. Bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik ist «Ottone» die kleinste der drei szenischen Produktionen. Traditionell werden dafür die Teilnehmer des vorjährigen Cesti-Wettbewerbs engagiert. Normalerweise treten diese im Innenhof der Theologischen Fakultät auf, die Regenverlegung der zweiten Aufführung ins Haus der Musik tut der Sache kaum einen Abbruch: Das kleine Orchester der Accademia La Chimera unter Fabrizio Ventura erhält für seine sinnliche Farbfülle ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Markus Thiel
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