Ungelöst, unerlöst
Adriana Hölszky brachte es auf den Punkt: «Es ist nicht die Frage, wie man zu einem Text kommt, sondern wie man rauskommt aus einem Text.» Was die Komponistin damit umriss, ist nicht weniger als ein zentrales Dilemma heutigen Komponierens. Kaum etwas ist dabei so verpönt wie die Abbildung einer literarischen Vorlage mit musikalischen Mitteln. Die so genannte «Literaturoper» hat ausgedient. Was freilich nicht heißt, Komponisten hätten keine Beziehung zur Literatur. Im Gegenteil. Große Texte regen an wie eh und je (wobei besonders die Antike hoch im Kurs steht).
Was sich verändert, ist der Umgang mit ihnen. Isabel Mundry etwa wagte sich kürzlich an die «Odyssee», wollte dabei «lesend komponieren» und «das Komponieren neu lesen». Basiserfahrungen für diesen Prozess freilich waren keine narrativen Erzählstränge, sondern ganz andere Erfahrungen: Kabuki-Theater, bei dem man als Europäer kein Wort versteht und trotzdem alles mitkriegt, oder William Forsythes Körpergrammatik. «Körperfahrungen und Bildimaginationen» schärfen für Mundry den Umgang mit Musiktheater. Deshalb formt sie ihre «Odyssee» über große Strecken mit rein instrumentalen Mitteln. Der Klang definiert sich durch seine ...
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