Beängstigend aktuell
Das Schlusswort haben die Streicher. Ein Ton, der wie verlöschendes Feuer glimmt, ein letztes Mal Licht spendet, bevor es dunkel wird und still. Ein sehrend schwingender Strahl, er trifft ins Mark. Was kann jetzt noch kommen? Niemand weiß es. Auch Schönberg wusste es nicht. Mit diesem im Offenen verhallenden Ton endet «Moses und Aron», sein unvollendetes Opernoratorium. 1932, ein Jahr vor Hitlers Machtantritt und der erzwungenen Emigration nach Amerika, hatte er den zweiten der drei geplanten Akte abgeschlossen. Dabei sollte es bleiben, die finale Szene wurde nicht mehr komponiert.
Der Bruderstreit über den rechten Weg des Volkes Israel aus ägyptischer Gefangenschaft, über die Bedingungen seiner Neugeburt, der Kampf um die leicht entzündbaren Herzen der namenlosen Vielen, er bricht ab. Mit diesem unglaublichen, heißkalt zitternden Klang, der wie eine Frage unter die Haut fährt, die man nie wieder vergisst.
Die Dresdner Staatskapelle spielt das auf der Stuhlkante, ohne die Sicherheit des Vertrauten. Zum ersten Mal hat sie mit Alan Gilbert, dem zur Elbphilharmonie nach Hamburg wechselnden Ex-Chef der New Yorker Philharmoniker, gearbeitet. Und der Neue hat offenbar alle Skepsis ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
Im Sommer hatte sich noch niemand aus der Deckung getraut. Die Vorwürfe gegen Gustav Kuhn, Gründer und Prinzipal der Tiroler Festspiele Erl, waren massiv: sexuelle Übergriffe, Mobbing, Machtmissbrauch. Öffentlich gemacht hatte sie der Blogger Markus Wilhelm – ohne seine Quellen zu nennen. Mit mehreren Klagen versuchten Kuhn und die Festspiele, Wilhelm zum...
Es bleibt spannend im Oldenburger Alpen-«Ring». Auch im dritten Teil von Wagners Tetralogie bewiesen Regisseur Paul Esterhazy und sein für die technisch hochprofessionell entworfene Drehbühne mit ihren zahlreichen ineinander verschachtelten Räumen zuständiger Bühnen- und Kostümbildner Mathis Neidhardt, dass ihnen die Ideen nicht ausgehen. Und wieder war man...
Endlich. Endlich hat sich einer getraut, die gigantische Leere der Bochumer Jahrhunderthalle für sich sprechen zu lassen. Bei Christoph Marthaler ist der Riesenraum nicht spektakuläre Location, schon gar nicht schrundige Hülle für wilden Kulissenzauber. Sondern ein Protagonist sui generis. Ein schlafendes Ungeheuer, in dessen Bauch aus Stein, Glas und Stahl ein...
