Mädels, Tore, Sensationen
Mit Zuckerlächeln piepst sie Emmerich Kálmáns Melodien. Stampft, lacht, steppt. Fliegt durch die Luft, entsorgt ihren Tanzpartner in ein Fass und tanzt den Csárdás umstandslos mit einer Frau weiter: Marika Rökk war Sylva Varescu im Film «Die Csárdásfürstin», den ihr Mann Georg Jacoby zu Beginn der 1950er-Jahre drehte. Das Teufelsweib, das aus dem Musikfilm der Nazis direkt in die Operettenrevue der Nachkriegszeit hüpfte, wobei sie «Traumpartner» Johannes Heesters gleich mitnahm (auch wenn der mit 47 Jahren für den Hallodri Edwin schon etwas ältlich wirkte).
Nach dem Krieg diente die Operette, voll Nachkriegsbiederkeit, dem kollektiven Vergessen und der Stimmungsaufrüstung im zerknickten, geteilten Deutschland. Nur in den Tanzszenen des Films kocht dieses überhitzte, vulkanische Temperament hoch, das man auf den Bühnen von heute vergeblich sucht. Da wird plötzlich spürbar, in welch unsicheren Zeiten einst ein Kálmán oder Paul Abraham ihre Werke komponierten.
Dass deutsche Operetteninszenierungen lange den systemtragenden und nicht den brüchigen Charakter der vorgelebten Gesellschaftsformen betonten, bringt Regisseure heute in Verlegenheit. Denn das Publikum empfindet die Operette ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
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Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Dank der Initiative des Palazzetto Bru Zane kann diese Einstufung nun möglicherweise revidiert werden. Seine monumentale Grand opéra «Herculanum» wurde unlängst von Radio France in Versailles aufgezeichnet, die märchenhafte...
Einer fegt. Gegen Ende der neuen Zürcher «Zauberflöte» kehrt jemand den letzten Rest Reisig zusammen, der die Szene noch verunzierte: Ordnung, Sauberkeit, Kultur, wo lange Natur, Wildnis, Urzustand herrschten. Aufgeräumtheit, wo vorher abgeholztes Gestrüpp herumlag. Licht, wo bis dato Feuer war. Und das von Bühnenbildner Klaus Grünberg zentral platzierte Haus, das...
