Große Gefühle

Darmstadt, Wagner: Parsifal

Opernwelt - Logo

Ewige Frage: Kann man, muss man, soll man den «Parsifal» inszenieren? So recht glücklich werden oft weder Kritiker noch – wenn sie im Vertrauen sprechen – Regisseure mit dem sperrigen Inhalt, den katholischen Zutaten und den vielen weit über die christliche Sphäre hi­nausweisenden Bezügen. Die Lösungsvorschläge fallen entsprechend bunt aus: Was etwa Christoph Schlingensief in Bayreuth als polyreligiöses Happening nicht uncharmant auf die Bühne müllte, geriet bei Chris­toph Nel in Frankfurt zur klassisch-strengen Gralsbruderschaftsfeier in Grau.

Auch John Dew lässt sich am Hessischen Staatstheater in Darmstadt jetzt auf eine aufgeräumte, ästhetisch stringente Deutung ein. Vielen Besuchern ist recht gottesdienstlich zumute – in der Fan-­Gemeinde samt honoriger «Parsifal»-Dirigenten und ­Titelpartiesänger im Publikum der von uns besuchten dritten Vorstellung eine hoch willkommene Lesart.
Ganz karg das erste Bild mit einem Schriftzug, der die Namen der Kirchenlehrer von Augustinus bis Ambrosius zitiert, dahinter eine Schultafel mit Zeichnungen: Hier kreuzen sich bei Dew höchst originell «Parsifal» und «Meistersinger». Denn die Erklärungen über die Gralsbruderschaft, die Gurnemanz seinen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kreativer Pragmatismus

Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen...

Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Mit dem Serail als Fluchtort erotischer Fantasien hat Johan Simons nicht viel im Sinn: Von der ganzen Türkenpracht ist in seiner Inszenierung von Mozarts «Entführung» nur eine schäbige Kulisse geblieben – und selbst die kracht am Ende noch zusammen. In einem heruntergekommenen Boulevardtheater lässt der niederländische Schauspielregisseur und künftige Leiter der...

Mascagni: Cavalleria rusticana, Leoncavallo: I pagliacci

Oft geht dramaturgischer Ehrgeiz dahin, das veristische Dioskurengespann «Cav/ Pag» zu trennen und mit anderen Partnern zu kombinieren. Manche Regisseure unterstreichen lieber die Gemeinsamkeiten. Giancarlo del Monaco führte vor Jahren in Bonn alle Figuren zu einem schicksalsschweren Finale zusammen, etwas simpler operierte in Gelsenkirchen Gabriele Rech in...