Coole Sache

Karlsruhe, Weber: Der Freischütz

Opernwelt - Logo

«Echt cool, das Ännchen!» Wenn vierzehnjährige Schüler sich so begeistert zeigen, wenn sie jubeln und johlen beim Schlussapplaus, wenn aus dem unruhigen Haufen zu Beginn ein gebanntes Publikum wird, dann hat das Theater etwas richtig gemacht. Etwa ein Drittel der Plätze war bei der B-Premiere von Carl Maria von Webers «Freischütz» von Schulklassen besetzt – in der Regel ein zweifelhaftes Vergnügen. Am Eingang war der wütende Satz eines Baseballkappe tragenden Teen­agers nicht zu überhören gewesen: «Ich bin gezwungen hier!» Doch am Ende nur strahlende Gesichter.

Wie ist es dem Regie führenden Generalintendanten und seinem Team gelungen, die jungen Besucher doch zu begeistern? Mit einer durch und durch konventionellen Inszenierung.
Achim Thorwald lässt die Personage in tümelnden Kostümen (Ute Frühling) weitgehend herumstehen, in romantischen Bildern von Wald und Dorfschenke. Die Wolfsschlucht wurde mit viel Dampf und Gewölk, mit eingespieltem Pferdegetrappel und pantomimischem Selbstmordversuch der Agathe weitgehend so gezeigt, wie man sich Schauerromantisches vorstellt. Es war ­offensichtlich dieser unmittelbare und durchaus wirkungsvolle Zugang, der die Teenager ansprach. Zumal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Windei: Brandauers «Dreigroschenoper» in Berlin

Es hatte der ganz große Wurf sein sollen. «Brandauer inszeniert Brecht & Weill», tönte die PR-Maschine schon Monate, bevor das Ereignis im nach langem Leerstand wieder halbwegs bespielbar gemachten Berliner Admiralspalast, dem ehemaligen Metropol-Theater, dann end­lich stieg. Ein Star-Mime («Never Say Never Again», «Mephisto») kümmert sich, pünktlich zum...

Aus dem Geist des psychologischen Kammerspiels

Nikolaus Lehnhoff zählt zweifelsohne nicht zu jenem Typus des Opernregisseurs, der sein Heil in plakativen Gesten oder in schrillen Bildern sucht. Lehnhoff interessiert weniger die Außenseite der Figuren als vielmehr die – meist subkutan wirkenden – emotionalen Kräfte, die sie ins Glück oder ins Elend stürzen. Ausgangspunkt seines szenischen Denkens ist stets der...

«Er sang immer, als sei es das letzte Mal»

Ob Fritz Wunderlich wirklich der «größte» Tenor war, der während der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Opernbühnen und Konzertpodien der Welt eroberte, ist eine müßige Frage. Nicht einmal der bekennende Wunderlich-Fan Werner Pfister, Autor der ersten umfassenden Biografie über den damals wie heute gefeierten Sänger, will sich da festlegen. Doch wenn...