Extremliebhaber

Ein Extremliebhaber entdeckt Ditters von Dittersdorfs «Lustige Weiber»

Opernwelt - Logo

Die Bibliothekarin der Bayerischen Staatsbibliothek in München hatte es ja gut gemeint. «Lustige Weiber von Windsor»? Kein Problem. Wenig später lag die Partitur vor Georg Hermansdorfer – nur leider war es diejenige von Otto Nicolai. Doch der Oberbayer hatte es auf etwas anderes abgesehen, auf die Vertonung von Carl Ditters von Dittersdorf. Die einzig erhaltene Handschrift, so musste Hermansdorfer erfahren, liege allerdings in der Dresdner Landesbibliothek. Noch dazu in üblem Zustand. Ein Wasserschaden, entstanden während des Zweiten Weltkriegs, ist daran schuld.



Auch Ditters von Dittersdorf, der Wiener Klassiker, hatte sich Shakespeares Komödie vorgenommen. 1796 entstand das Singspiel in zwei Aufzügen, eine Aufführungsgeschichte ist nicht bekannt. Gut möglich also, dass Hermansdorfer erst jetzt im Rosenheimer Ballhaus mit seinen schmucken Stuckverzierungen die erste szenische Produktion nach 200 Jahren gelang. Ein professioneller Spürhund ist der 55-Jährige nicht, sondern im Hauptberuf Deutsch- und Musiklehrer an einer Realschule in Rosenheim. Aber welch ein Extremliebhaber! Nicht nur, dass er unbekannte Stücke den Archiven entreißt, im Falle Ditters von Dittersdorf auch mühevolle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Shoot-out in Missouri

Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das...

Rap mit Rossini

Noch zu Zeiten Gioacchino Rossinis aßen die armen Bauern und Handwerker fast nie Fleisch, und an Freitagen und in der vorösterlichen ­Fastenzeit verbot ihnen die christliche Sittenlehre, das zu essen, was sie ohnehin nicht hatten. Auch fromme Monsignori und weltliche Herren übten sich in strengem Verzicht – zungenschnalzend mit Fluss­krebsen, Muscheln, Hummern,...

Wiege der Weltmusik

Multikulti war gestern. Ganztätige Performances, Sex auf der Bühne und der Berliner Tuntenball auch. Dennoch knüpft Barrie Kosky mit seinem gigantomanischen Monteverdi-Hattrick zum Auftakt seiner Ära an der Komischen Oper an alte Entgrenzungs- und Befreiungsrituale des Theaters an. Sie fordern vor allem eines: Sitzfleisch. Strammsitzen für eine neue Zeit.

Zwölf...