Der betörende Glanz der Dummheit
Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener Jugendschutzgesetzes geraten würde, hätte er sich vermutlich nie träumen lassen.
Und doch untersagte dieses Gesetz allen Jugendlichen unter achtzehn den Zutritt zur Aufführung – ungeachtet der Tatsache, dass längst schon Zehnjährige sich brutale Computerspiele hineinziehen, dass gerade Volljährige harte Pornos via Handy verbreiten. Und dass beim letzten österreichischen Stimmgang zum Nationalrat im September die politischen Rechtsaußen nicht zuletzt dank des Wahlrechts bereits für Sechzehnjährige unerwartete Gewinne erzielten.
«The Rake’s Progress» in Wien also erst ab achtzehn. Ein Schildbürgerstreich. Und warum? Wegen der fast greifbare Verlegenheit absondernden Nackten im Puff der Mother Goose? Nebbich. Zumal dieses Freudenhaus offensichtlich kein Haus der Freude war, Kopulation mechanisch imitiert wurde. Natürlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aktuell? Aber gewiss! Ein griechisches Dorf, sein Priester vorneweg, pfeift auf die Nächstenliebe, als ein Treck Flüchtlinge auftaucht – Landsleute, von den brandschatzenden Türken aus der Heimat vertrieben. Hartherzigkeit, wo Mitleid am Platze wäre, Vorurteile. So lügt der Geistliche einer vor Hunger sterbenden Flüchtlingsfrau die Cholera an den Hals. Und den...
Die niederländische Provinzstadt Maastricht ist bei uns vor allem wegen des dort vereinbarten EU-Vertrags ein Begriff. Empfindsame Stadtreisende wissen ihre architektonischen Schönheiten zu rühmen. Als lokales Opernzentrum ist sie bisher außerhalb des Landes nur wenig zur Kenntnis genommen worden. Das könnte und soll sich ändern, jedenfalls nach dem Willen der...
«Nun haben Dilettanten aus Florenz / Aus heidnischen antiken Schriften / Sich Theorien künstlich ausgedacht. / Nach denen wird fortan Musik gemacht», lässt Hans Pfitzner den Protagonisten seiner Oper «Palestrina» singen, nachdem dessen Schüler Silla sich als Anhänger des «Stile nuovo» deklarierte.
Er thematisierte damit den Umbruch von kunstvoll kontrapunktischer...
