Klarheit und Klangzauber
Das einzige Bühnenwerk des vor allem als Geiger berühmt gewordenen rumänischen Komponisten George Enescu hat nach der erfolgreichen Pariser Uraufführung 1936 nur noch vereinzelte Reprisen, vor allem in Frankreich und Rumänien, erlebt. Um so größer war das Erstaunen, als 1989 bei EMI eine Gesamtaufnahme herauskam, die «Oedipe» als ein Hauptwerk der Oper des 20. Jahrhunderts erkennen ließ. Zwar ist Enescus Tonsprache eher traditionell als avantgardistisch, doch seine Klangfantasie scheint unerschöpflich, besonders eindrucksvoll beim Mord an Laios und in der Szene der Sphinx.
Götz Friedrich hat vor zehn Jahren an der Deutschen Oper Berlin die Spielbarkeit des Stücks unter Beweis gestellt. Mit einem anderen Dirigenten und einer großenteils anderen Besetzung kam seine Produktion ein paar Monate später in Wien heraus, woher der erst jetzt von Naxos vorgelegte Mitschnitt stammt.
Eine Videoproduktion der Inszenierung wäre hilfreich gewesen. Die reine Tonkonserve dürfte dagegen neben der genannten Studioproduktion einen schweren Stand haben. Zum einen, weil eine halbe Stunde Musik fehlt, was auf der Szene durchaus dramaturgisch zu rechtfertigen ist, zum anderen, weil die solide Wiener ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Windsor ist überall. Jedenfalls als Soap. Als symbolischer Ort, wo sich selbst Royals in den Fallstricken des ganz normalen Alltagswahnsinns verheddern können. Wo hinter jeder Mauer Affären, Intrigen, Lug und Trug lauern. Wo das Leben, zumal das Liebesleben, unentwegt am Rande des Nervenzusammenbruchs entlangschrammt.
In diesem Sommer konnte man Windsor auch im Harz...
Nach der Pause tritt der Krieger Unferth an, um mit dem Monster Grendel die Kräfte zu messen, auf Sieg oder Untergang. Doch statt zu kämpfen, singt der Mann von Hoffnungen und Frustrationen eines Helden. Seine Arie ist ein, wenn man so will, «lyrischer» und emotionaler Höhepunkt in Elliot Goldenthals solide gebauter neuer Oper – und sie bleibt das auch, trotz...
Nikolaus Lehnhoff zählt zweifelsohne nicht zu jenem Typus des Opernregisseurs, der sein Heil in plakativen Gesten oder in schrillen Bildern sucht. Lehnhoff interessiert weniger die Außenseite der Figuren als vielmehr die – meist subkutan wirkenden – emotionalen Kräfte, die sie ins Glück oder ins Elend stürzen. Ausgangspunkt seines szenischen Denkens ist stets der...
