Zwei Amerikaner in Coburg

Previns «Streetcar» und Johnsons «Riemannoper»

Opernwelt - Logo

Im oberfränkischen Coburg sind zum Jahresbeginn die Wellen hochgeschlagen, weil die Stadt den Vertrag des Theater­intendanten Dieter Gackstetter fristlos gekündigt hat. Wer angesichts dieser dramatischen Zuspitzung Seegang auf der Bühne erwartete, sah sich bei der Doppelpremiere zweier amerikanischer Musiktheaterstücke – André Previns «A Street­­car Named Desire» (11. Januar) und Tom Johnsons «Riemann­oper» (13. Januar) – angenehm enttäuscht.

Beide Male muss­te sich der Besucher aus der Großstadt eingestehen, dass in der Provinz nicht nur sorgfältig gearbeitet wird, sondern die Aufführungen in künstlerischer Hinsicht keinen Vergleich mit denen größerer Häuser scheuen müssen.
Gewiss, in Mannheim oder Hannover etwa würde man fragen, ob es nicht bessere, lohnendere Stücke gibt. Im kleinstädtischen Coburg aber fordern ge­mä­ßigt moderne Opern wie Previns spät­romantisch-nostalgische Vertonung von Tennessee Williams’ Erfolgsstück «Endstation Sehnsucht» oder der ironisch verspielte Minimalismus von Tom Johnsons «Riemannoper» bereits die Hörerwartungen heraus: Bei der Premiere war das Lan­destheater halb leer.
Previns Musik durchdringt Handlung und Text nicht auf autonome, formal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Magazin, Seite 29
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Falco lebt

Man hätte schon gern gewusst, wie das klingt: Der Katastrophenakkord des Don Giovanni auf der E-Gitarre: herausgerissen aus klassischer Beschaulichkeit, hart hingefetzt, mit dem typisch wimmernden Nachhall? Hölle, Tod und Teufel? Leider erfährt man es nicht, denn der Typ, der mit Puderperücke und umgehängter Stratocast zu Beginn der Ouvertüre bei offenem Vorhang...

Kaltes Licht

Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schluss­szene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben. Kein Attentat im eigentlichen Sinne...

Narboni: Au Bois Lacté

Als Dylan Thomas‘ «Under the Milkwood» zunächst als Hörspiel erschien, erkannten fantasiebegabte Theaterleute sogleich auch die szenischen Qualitäten des umfangreichen Textes. «Unter dem Milchwald» gelangte in den fünfziger Jahren auch auf deutsche Bühnen. Die fließenden Bilder aus dem Leben eines kleinen Städtchens an der irischen Küs­te, der Heimat des Dichters,...