Abgekühlt
Kann man ein Märchen ohne Emotionen erzählen? Ohne Wärme und ohne Fantasie? «A Flowering Tree» von John Adams, uraufgeführt bei Peter Sellars’ Wiener Mozartfest im November 2006, handelt von dem Mädchen Kumudha, das sich in einen blühenden Baum verwandeln kann. Die Metamorphose zum Baum und wieder zurück dient dem Lebensunterhalt der Mutter, die Blüten verkauft Kumudha auf dem Markt. Ein Prinz heiratet das Mädchen, seine eifersüchtige Schwester macht es zum Krüppel. Am Ende siegt das Gute – die innere Schönheit ist stärker als der äußere Schein.
Für die deutsche Erstaufführung hat Bernd Feuchtner, Operndirektor am Heidelberger Theater, das auf einer südindischen Sage basierende Libretto von Peter Sellars und John Adams übersetzt. Und hat mit dem Regisseur David Hermann und dem Bühnenbildner Christof Hetzer ein junges Regieteam geholt, das die bei der Uraufführung bunt und poetisch erzählte Geschichte «abkühlen» möchte. Deshalb ist auf der Bühne ein sich verengender, rosa-grün angepinselter Kasten mit gefährlich schrägem Zugang zu sehen, deshalb sind an der Decke Neonlampen montiert. Die Mutter (Wiebke Haas), die ihre Töchter schlägt, steckt Hetzer in eine Art Sadomaso-Lederkluft ...
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