Im Puppenheim
Laurent Spielmann, Intendant der Opéra National de Lorraine in Nancy, dient sich seinem Publikum nicht mit einem populären Spielplan an. In dieser Saison stach die musikalisch und szenisch hochinteressante und qualitätsvolle Aufführung von Zemlinskys «König Kandaules» hervor (siehe OW 5/2006). Auch eine barocke Rarität fand sich mit Desmarests «Venus et Adonis» (siehe OW 6/2006), die durch die Mitwirkung des Dirigenten Christophe Rousset und seines «Talens Lyriques»-Ensembles speziell musikalisch auf höchstem Niveau stand.
Jetzt Bergs «Wozzeck» in der Inszenierung Michel Deutschs und Jean-Marc Stehlés. Man hat das Werk in den letzten Jahren in oft extrem experimentellen Formen gesehen. Der von Büchners Drama herkommende Realismus des Werkes schien ausgedient zu haben. Deutsch und Stehlé vertrauen diesem Realismus wieder. Das hat seine Tücken. Büchner und auch Berg beschwören eine magische Realität, mit oft unheimlichen, hintergründigen und vielsagenden Bildern und Symbolen: der blutrote Mond, der übersteigerte Popanz Tambourmajor, die Messer-Chiffre – die bei Büchner besonders signifikant erscheint. In Nancy gelingen auf diese Weise einige eindrucksvolle Bilder und Szenen: das ...
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Es war ein schwerelos-heiterer Opernabend. Hamburg hat den Versuch unternommen, Donizettis leicht angejahrte, liebenswürdig-altmodische «Regimentstochter» zu entstauben, ohne ihr Gewalt anzutun – und damit auf der ganzen Linie gewonnen. Die Handlung – ein unter Soldaten aufgewachsenes junges Mädchen soll re-integriert werden in die feine Gesellschaft – reißt...
«Ein wundervolles Paar waren die Nibelungen Mime Herr Breuer und Alberich Herr Friedrichs. Doch beide verfielen oft aus dem Gesangston in den Sprechton, in ein vollständiges Deklamiren. So empfindlich ich sonst gegen solche Stilwidrigkeiten bin – hier kam etwas außerordentlich Charakteristisches dabei heraus. Ich würde dieses Umstandes gar nicht Erwähnung thun,...
Die Buh-Rufe waren berechtigt: Calixto Bieito hatte Strawinskys «Rake» beim Festival im nordwestspanischen La Coruña als harmlose Kinderspielzeug-Version angerichtet: ein riesiges Gummi-Disneyworld, das knatschbunt selbst den Orchestergraben und das Proszenium umfasste. Hier ein bisschen Ritterburg mit Türmchen, da ein paar phallische Pilze, hier ein Kissen,...
