Die Möglichkeit der Liebe
Arme Donna Leonora di Vargas: Ungeheuerlich die Macht des Schicksals, die an ihrer Seele frisst. Vom kleinen «h» hinauf bis zum zweigestrichenen «H» reicht das Leidpotenzial, das Verdi der weiblichen Hauptfigur seines Melodramma «La forza del destino» in die Partitur hineingeschrieben hat. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass sich innerhalb der Tessitura nicht eben selten Sprünge finden, die den kurvenreichen Leidensweg dieser vergeblich liebenden Frau in Musik fassen.
In wenigen Momenten schwankt das Gefühl der Leonora vom Zu-Tode-betrübt-sein bis zur himmelhoch jauchzenden Freude.
In Brüssel ist Eva-Maria Westbroek diese Leonora. Sie gibt ihr Rollendebüt als Don Alvaros (keusche?) Gespielin. Liest man das Libretto von Francesco Maria Piave, man könnte ins Grübeln geraten über die Frage, wer diese Frau eigentlich ist, die den Weg aus der irdischen Verdammnis zum religiösen Unschuldsfeld so kühn beschreitet. Sieht und hört man Eva-Maria Westbroek, ist die Frage rasch beantwortet. Ihre Leonora mag verzweifelt sein aufgrund der tragischen Ereignisse um sie herum, doch unentschlossen ist sie nie. Sie wählt den Weg in die Einsamkeit der Einsiedelei bewusst. Die ...
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Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird. Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
