Kleinmütig
Diese erste Premiere nach dem Abgang von Kirsten Harms als Intendantin hätte ein Signal des Aufbruchs werden können. Diese Chance wurde verschenkt. Das begann schon mit der Entscheidung für die landläufig gespielte vieraktige Fassung von Verdis «Don Carlo», die zwar musikalisch, aber weniger dramaturgisch stringent ist. Das setzte sich fort mit der Wahl des Regisseurs und Bühnenbildners Marco Arturo Marelli, der schon wiederholt am Hause gearbeitet hat und immer ein Garant für gediegene, bei niemandem und nirgendwo aneckende Inszenierungen ist.
Für ein Werk dieses Kalibers ist das zu wenig. Dieser «Don Carlo» ist in der Konzeption kleinmütig und in der Ausführung, speziell der Personenführung, sträflich ambitionslos. Da spielt jeder, so gut er eben kann.
Auch weil der Bühnenbildner Marelli die Möglichkeiten des Regisseurs Marelli von vornherein einengt durch eine variable Einheitsszenerie. SIe besteht aus verschiebbaren Quadern, die in jeder Anordnung Schlitze für ein Kreuz übrig lassen. Sie zielt darauf ab, alle Personen, nicht nur das Volk, sondern auch die königliche Familie, in einem Kerker zu zeigen, zu dem nur die Kirche den Schlüssel hat. So simpel-sinnfällig das klingt, es ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Ekkehard Pluta
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark»...
Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne...
Der Dichter spricht. Oder präziser: Er schreibt – und das mit jener sowohl dem Gegenstand als auch der Adressatin seiner Betrachtungen angemessenen Euphorie: «Ja, meine Geliebte, hier bin ich endlich angekommen, hier, wo ich schon lang einmal hätte sein sollen, manche Schicksale meines Lebens wären linder geworden. Doch wer kann das sagen, und wenn ich’s gestehen...
