Verzeichnet
Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe «Platée», der man eingeredet hat, Obergott Jupiter sei ihr verfallen, und die das auch glaubt, bis sie, schon im Brautkleid, grausam enttäuscht und von allen verspottet wird – diese recht herzlose Geschichte kam 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers mit der spanischen Infantin Maria Teresa erstmals auf die Bühne. Die Braut galt als recht unansehnlich – so hat man stets angenommen, sie sollte im Stück bloßgestellt werden.
Doch sie war – ungewöhnlich genug – den Autoren allenfalls einen Seitenhieb wert.
Eigentlich geht es um etwas ganz anderes: Die Götter – in der barocken Oper stehen sie meist für den Fürsten und sein Gefolge – kommen hier in Berührung mit dem denkbar niedrigsten aller Stände. Wenn also in der Figur der Platée die Prätentionen des dritten Standes verspottet werden, kommt die Adelswelt auch nicht viel besser weg, die in ihrer ganzen grausamen Oberflächlichkeit vorgeführt wird. Die Mechanismen, die da aufgedeckt werden, findet man heute im «Unterschichtenfernsehen» wieder.
Die Regisseurin Karoline Gruber scheint also auf der richtigen Spur, wenn sie im Prolog den Hofstaat der Götter in ein ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Ingo Dorfmüller
Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons...
Vielleicht ist ja die Fragestellung mittlerweile gänzlich obsolet geworden. Vielleicht gibt es den von der Gesellschaft verkannten, geächteten Künstler als Rebell, als Avantgardist gar nicht mehr. So, wie ihn Richard Wagner mit seiner Figur des Tannhäuser beschreibt. Zumal in Zeiten, in denen die Mechanismen des Marktes das kulturelle Geschehen dominieren: Pop ist...
Auf seinen Humor können sich alle einigen. Auf seine Pointen ist Verlass. Damals, als er die reizenden Wesen mit den Knollennasen in die Welt setzte, wie heute, da er sich,
87-jährig, längst zurückgezogen hat und als Legende seiner selbst vermarktet wird. Ein vornehmer Spaßmacher und sanfter Spötter. Ein weltweiser Beobachter des absurden Alltags, immer freundlich,...
