Selfie-Stick und Glitzerkanone
Ein Sommerabend in Rom. Sonnenstrahlen scheinen auf antike Ruinen, Überziehen die Terrakottatöne mit Bronzeglanz. Alles duftet noch nach der Hitze des Tages, die jetzt heftig aus den Steinen emporsteigt, einen Augenblick über der Erde verweilt, massig und schwer, bevor der Wind sie in den Himmel trägt. In den Pinien und Zypressen singen die Zikaden, über ihnen leuchtet der zunehmende Mond.
Ich sitze auf einem Plastikstuhl. Um mich herum ein Gerüst aus Stahlstangen und Pressplatten, das Zuschauerpodest einer der berühmtesten Freilichtbühnen Italiens: der Caracalla-Thermen.
Im alten Rom standen hier prunkvolle Badepaläste – sie sind lange verfallen, die Marmorvertäfelungen, Säulen und Statuen schmücken andere Gebäude. Schon über 80 Jahre nutzt die Oper Rom das Gelände als Sommerspielstätte. Am Abend gibt es Verdis «Aida». Keine Oper wurde hier so oft gespielt wie diese, der Schriftsteller Giorgio Vigolo schlug gar vor, die Bühne in «Aideo» umzutaufen. Und die Inszenierungen sollen Spektakel sein! Hollywoodreif, mit unzähligen Tänzern und Statisten, prächtigen Kostümen, einer Kulisse ägyptischer als das alte Ägypten.
Im Publikum sind alle schon ganz aufgeregt. Eine Dame hat sich ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Ida Hermes
Warum verwendete Händel nicht den Librettotitel «Ginevra», warum nannte er das Stück nicht wenigstens «Ariodante ed Ginevra»? Weil er ein Macho war? Wohl kaum, tragen doch zehn seiner gut 40 Opern den Namen einer Heldin, darunter meisterliche Schöpfungen wie «Agrippina» und «Alcina». Es lag zweifellos an der historischen Divergenz von Lebensläufen; hätte er Roberta...
Mit ihren Opernfestspielen sucht die Bayerische Staatsoper diesmal den Spagat zwischen bewährt-souveränem Handwerk und ergebnisoffenem Experiment. Händels «Agrippina» etwa geht mit enormer Spiellust und virtuoser Verve über die Bühne des Prinzregententheaters. Das Nebenprogramm überrascht mit zeitgenössischem Musiktheater, das in großer stilistischer Vielfalt und...
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy...
