Elektra - The Sequel

Die Neue Oper Wien bringt Manfred Trojahns «Orest» heraus

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Man sollte nichts tun, worüber man nicht nach Tisch reden kann, schrieb Oscar Wilde. Insoweit sollte man Orest besser nicht zum Dinner laden, denn seine Tat – der Muttermord – eignet sich kaum zum Small Talk. Die Erinnyen, die ihn in Form eines abgrundschlechten Gewissens verfolgen, sind jedenfalls erzürnt. Apollo, der ihn zu dieser Tat anstiftete, zieht sich auf Politikerart aus der Affäre und lässt Orest mit seinen Skrupeln allein.

Und die rachebesessene Schwester Elektra treibt das Spiel sogar noch weiter: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos folgte, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. All dies ist Gegenstand von Manfred Trojahns Oper «Orest», die 2012 in der Kritikerumfrage von «Opernwelt» zur «Uraufführung des Jahres» gewählt wurde. Während Katie Mitchell anlässlich der Amsterdamer Uraufführung 2011 die Handlung in einem bürgerlichen Heim ansiedelte, verlegte Philipp M. Krenn das Geschehen für die Österreichische Erstaufführung durch die Neue Oper Wien in eine heruntergekommene U-Bahn-Station (Ausstattung: Nikolaus Webern), die offenbar von keinem Zug mehr angefahren wird. Eine
Beckett-Situation. Die Aufführung war konzentriert und ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Gerhard Persché

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