Ausnahmekünstler
Jens Schroth und ich lernten uns im Sommer 2001 bei der Vorbereitung von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern» in Stuttgart kennen – eine Produktion, bei der viele junge Neue-Musik- und Opernbegeisterte zum ersten Mal zusammentrafen. Er, als Lachenmann-Schüler, übernahm die Steuerung der Taktzählung auf den Monitoren, ich war junger Dramaturgie-Assistent an der Seite Klaus Zeheleins.
Als ich mich entschied, die Stuttgarter Dramaturgie für ein Doktorandenstudium in Stanford zu verlassen, und die Intendanz das Experiment eines Komponisten in der Dramaturgie fortsetzen wollte, fiel die Wahl fast automatisch auf Jens. Seine einzigartige Kenntnis des Metiers, seine künstlerische Intelligenz, sein Wissen um die Neue Musik machten ihn zu einem Ausnahmekünstler und -intellektuellen am Theater.
Jens entwickelte sich zu einem «echten» Dramaturgen (der das Komponieren hinter sich ließ) und war dabei unglaublich erfolgreich. Wir blieben Freunde in der Ferne – ich bewunderte seine Fähigkeit, im Theateralltag pragmatisch zu agieren und sich zugleich eine (manchmal fast utopische) Sehnsucht nach wirklich neuer, kritischer Opernkunst zu bewahren. Jens brachte das strukturelle Denken ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Hans Thomalla
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