Im Schlachthaus
Verstörendes Vexierbild. Grausam und doch zauberhaft, anmutig. Während die Solo-Klarinette ihre unruhig-flackernde Klage ins Dunkel schickt, stürzen in einem großformatigen Video zwei leichtbekleidete Frauen wie in einer Traumsequenz in ein Bassin, Hand in Hand, und wie sich bald herausstellt, im Todeskampf unentrinnbar miteinander verbandelt. Letzte Blasen steigen auf, der Lebensodem der beiden Nymphen verflüssigt sich, jeder Versuch, dem Endlichen zu entkommen, ist zum Scheitern verurteilt. Das Sein verwandelt sich ins Nichts.
Aber dieses Nichts ist prästabiliert in Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Es ist schon da, bevor die Liebe es für kurze Zeit überblendet, und es besteht aus jenem Ennui, der insbesondere im Russland des 19. Jahrhunderts nach Ende des Wiener Kongresses zahllose Existenzen hervorbrachte, die nichts mit ihrem Leben anzufangen wussten und insbesondere in den Poemen von Alexander Puschkin und Mikhail Lermontov ihre literarische Entsprechung fanden. Man fand für sie den Begriff des lisny celovek.
Katerina Ismailova ist, wiewohl unfreiwillig, Nachfahrin und zugleich Prototyp dieses «überflüssigen Menschen». Eine Frau ohne Visionen, jeder Illusion ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Fanny Ardant
Ihr Spiel umwehte stets ein leiser Hauch von Exzentrik. Noch in ihren letzten Filmen zeigte die französische Diva, über welche darstellerischen Farben sie verfügt. Nun wagt sie sich, gerade 70 Jahre jung geworden, an die Oper und inszeniert in Athen Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Wir fahren hin
Cecilia Bartoli
Die Rolle passt...
Ein Rest von Geheimnis muss bleiben. Fragen irren auch am dunkelhellen Ende mit dem seltsamen Sieg der Ariane über den Frauenpeiniger Blaubart weiter unbeantwortet in diesem märchenverschwommenen Raum umher. Wäre es anders, stammte die Textvorlage nicht von Maurice Maeterlinck – und die Musik nicht von Paul Dukas. Die Brille des nach psychologischer Plausibilität...
Drei Anläufe unternahm Beethoven, ehe er mit seiner einzigen Oper «Fidelio» ans Ziel kam. Aber er war nicht der Erste, der Jean-Nicolas Bouillys angeblich auf eine wahre Begebenheit zurückgehendes Libretto «Léonore, ou l’Amour conjugal» bearbeitete. Das Sujet vereint mit dem Kampf gegen willkürliche Tyrannei und dem siegreichen Triumph der Liebe archetypische...
