Hure und Wüstling
Wer kam zuerst? Der Romancier Antoine-François Prévost mit seiner «Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut» – oder William Hogarth, der Londoner Maler und Kupferstecher, mit «A Harlot’s Progress»? Die Geschichten – beide aus dem Jahr 1731 – ähneln einander wie zweieiige Zwillinge. Im Stenogramm: Die Heldinnen Manon Lescaut bzw. Moll Hackabout, unschuldige, wenn auch keineswegs naive Mädchen vom Land, kommen in der Großstadt unter die Räder des Lustgewerbes.
Beide sind sie Geliebte eines reichen Mannes und werden von diesem verstoßen, weil sie neben ihm junge Liebhaber haben; beide stürzen ab, sterben schließlich im Elend.
In Hogarths «Modern Moral Subjects» war indes zuerst die Metze da, der Wüstling erschien später. Denn erst 1735 kam der Geschwisterzyklus «The Rake’s Progress» über den Karrieristen, Verschwender und Lüstling Tom Rakewell dran. Dass er weiten Kreisen vertrauter wurde als die ältere «Harlot»-Reihe, verdankt sich vor allem Igor Strawinskys Oper und dem grandiosen Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman. Nicht ganz auf jene Höhen zu schwingen vermag sich nun der Text, den der Londoner Schriftsteller Peter Ackroyd für die Oper «The Harlot’s ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Gerhard Persché
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Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und...
