Mikroports erobern die Bühne – ist das wirklich gut?
Ich habe die Geschichte von einer Freundin, die vor Jahren als Dramaturgin im altehrwürdigen Theater der Residenzstadt B. arbeitete. Sie machten damals Offenbachs «Barbe-Bleue». Schwieriges Stück, weil durch das Frivole die politische Dimension dieser Opéra-bouffe hindurchschimmert, man aber genau das nur zart andeuten darf, will man nicht die 1001. moralinsaure Inszenierung herausbringen. Bis zur HP 2 (das ist die Orchesterhauptprobe mit Maske, Licht und dem ganzen Krimskrams) lief alles prima. Die Ideen sprudelten, es wurde viel gelacht.
Na ja, aber dann kam es eben so, wie es kommen musste: Aus heiterstem Himmel zogen Gewitterwolken auf. Und zwar im Gesicht des Intendanten. An der Kunst selbst hatte er nichts auszusetzen. Die Inszenierung sei okay, meinte er. Aber etwas anderes war gar nicht okay. Schon in Reihe 13 (dort saß der Boss) waren die Solisten nicht mehr richtig zu verstehen, wenn sie einen Dialog hatten (was betrüblicher Weise ziemlich häufig der Fall war), aber auch sonst kaum. Also wurde der Tonmeister aus seinem Kabuff geholt und dringlich gebeten, hier doch mal etwas «nachzuhelfen». Der Mann verstand auf der Stelle, was man von ihm wünschte. Die Sänger wurden im ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Zwischenruf, Seite 69
von Jürgen Otten
Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden...
Das Schlusswort haben die Streicher. Ein Ton, der wie verlöschendes Feuer glimmt, ein letztes Mal Licht spendet, bevor es dunkel wird und still. Ein sehrend schwingender Strahl, er trifft ins Mark. Was kann jetzt noch kommen? Niemand weiß es. Auch Schönberg wusste es nicht. Mit diesem im Offenen verhallenden Ton endet «Moses und Aron», sein unvollendetes...
Vorn ist einer laut schnarchend eingeschlafen, rechts drängen sich Empörte aus dem Saal, links fließen stille Tränen. Flüstern überall: Das Publikum weiß nach der Pause nicht, wohin mit sich in Romeo Castelluccis «Zauberflöte» an der Brüsseler Münze.
Doch der Reihe nach. Zunächst knöpft der Regisseur sich den Wunsch nach einem Mozart’schen Märchen vor, indem er...
