Grille, schwindelfrei
Oje, wenn das der liebe Gott sehen würde: Eine solche Life Story, und das ausgerechnet an einem Ort wie der altehrwürdigen Aldeburgh Church – er würde den Donner hinab zur Erde schleudern, auf dass die Menschen wieder einfache Diener in seinem Weinberg werden mögen. Aber was soll er machen, es ist zu spät.
Ohne auch nur einen Funken Anstand zu besitzen, singt diese Dame im unzüchtig ausgeschnittenen Kleid (Gweneth-Ann Jeffers) von den Wonnen der fleischlichen Liebe, und sie weiß dabei auch noch einen gewandten Dichter (Tennessee Williams) und einen versierten Komponisten (Thomas Adès) hinter sich. Ach, diese Welt, sie ist wirklich verdorben. Na ja, vielleicht nicht die ganze Welt. Aber dieser Streifen im Süden Suffolks ganz gewiss.
Aldeburgh hat sich geändert. Nicht nur das ehedem ärmliche Fischerstädtchen, welches Benjamin Britten als topografische Vorlage für «Peter Grimes» diente, ist heute ein Ort merkantil dominierter Moderne, wo Häuser beinahe Londoner Preise erzielen. Auch das von Britten gemeinsam mit Peter Pears 1948 ins Leben gerufene Festival ist den Metamorphosen der Zeit anheim gefallen. Zwar versuchen die von Meurig Bowen verantwortlich zusammengestellten ...
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